Macro-Timing
Kauf ein anders Thema erhält die Aufmerksamkeit der Zuhörer, wie die Sorge vor dem nächsten Crash.
Die sogenannten Crash-Propheten wissen natürlich um diese menschliche Tendenz. Es wird gezielt die Verlustangst im Gehirn angesprochen. Ein Bereich, der bedeutend stärker ausgeprägt ist, als z.B. das Gefühl für Exponentielles Wachstum oder noch viel Simpler: Welche Dinge all gut laufen in der Welt. (Ein schönes Videos zum Thema kann man vom Zukunftsforscher Peter Diamandis „In der Zukunft leben wir im Überfluss“ sehen.)
Hier beschreibt er, dass auch Medien (also die gänge Presse) um diesen Umstand weiß. Also dass sich Angst und Gefahr am besten Verkaufen. In den neuen Medien würde man sagen, dass Angst und Gefahr am meisten Klicks erhalten.
Fragt man sich nun, wie die Presse ihr Geld verdient, dann lässt sich als Investor mit Einblick auf die Kennzahlen der Unternehmen ;), klar sehen, dass der Großteil der Umsätze eines Medienkonzerns mit Werbung generiert wird. Und diese Werbeeinnahmen lassen sich erhöhen, je mehr auf die Anzeigen geklickt wird.
Nun darf man raten, wie der Umsatz also maximierbar ist? Richtig, wenig von den guten Dingen berichten, denn diese interessiert niemanden.
Sondern, dass was Aufmerksamkeit erhält. Also Terror in der Welt. Der neuste Kurseinbruch um -20% bei Airbus oder eben auch im Spezialfall, der Untergang der Welt, wie ihn so manche Crash Propheten gerne heraufbeschwören.
Einer der üblichen verdächtigen ist Mark Faber, auch Dr. Doom genannt.
Als natürlich gern geladener Gast in der Presse (na klar, er erhöht schließlich die Zuschauerzahlen), muss er natürlich eine Prognose für die Zukunft äußern.
Also Zahlenaffine Menschen, freuen wir uns natürlich über solch einen Umstand und betrachten einmal die Aussagen von Marc Faber im Zeitverlauf:
Im Chart ist der S&P500 abgebildet. Also die 500 größten Unternehmen der USA. Der Kursverlauf beginnt in 2010, also 1 Jahr nach der Finanzkrise, die einen Kursrückgang von ca. 45% aufzuweisen hatte.
Wir befinden uns nun im Jahr 2009. Die Angst sitzt Tief bei den Anlegern. Einige werden vermutlich auf dem Weg nach unten von 2008-2009 sogar verkauft haben.
„Lieber -30% Verlust also noch mehr“ ist der häufige Gedankengang.
Wenn man zu den Glücklichen gehört, die in so einem Umstand verkauft haben, gehört man fast in den meisten Fällen dann zu denen, die nicht wieder einsteigen. Sondern warten.
Denn, überall wird ja auch weiterhin Weltuntergangsstimmung verkündet. Hochsaison für Dr. Doom.
Unsere Tiefpunkt haben wir also im Ende der Finanzkrise 2009 erreich. Jetzt wäre – rückblickend – der richtige Zeitpunkt wieder in den Markt einzusteigen.
Natürlich wird der Durchschnittsanleger, der verkauft hat, dies nicht tun. Denn die fallenden Kurse haben ihn ja nur noch mehr im Weltuntergang bestätigt.
Nun gut, die Reise geht los. Wir haben den Boden bei 800 USD in 2009 erreicht. Unser Anleger denkt sich: „Ich warte erst einmal, wie sich alles entwickelt“. Also verstreicht ein Jahr. Nun befinden wir uns im Jahr 2010. Die Kurse stehen nun bei 1150, das ist ein Anstieg von sagenhaften sind sagenhafte +43 Prozent.
Dahin sind sie, unsere potentiellen Gewinne, die wir mit einem Ausstieg bei -30% versucht hatten, zu generieren. Aber, unser Anleger denkt sich bestimmt: „Jetzt geht es erst richtig nach unten“. Er schaltet den Fernseher ein und hört auf ntv oder CNBC Marc Faber sprechen. Natürlich über sein Lieblingsthema, dem Weltuntergang.
Und im Jahr 2010 verkündet er: „Der S&P wird um 20% fallen“.
Unsere Zeitreise schreitet voran. Was passiert? Die Kurse fallen 5% und steigen dann auf neue Hochs in Mitte 2020. Somit das Gegenteil der Aussage von Marc Faber. Unser Anleger lässt sich nicht vom Markt beirren und denken eher: „Jetzt wird es noch weiter fallen“.. Also investiert er auch hier nicht und wartet.
Tatsächlich, als nächstes gibt es einen kleinen Kursrückgang auf 1000 USD bis Herbst 2010. Unser Anleger, fühlt sich bestätigt. Denn er weiß noch genau, wie groß die Panik war, als die Bank „Lehman Brothers“ im Jahr 2009 pleite ging. Jetzt denkt er sich, kommt der nächste Abschwung. Denn, wir erinnern uns: Nicht nur Marc Faber, sondern auch die Presse berichtet täglich von den fatalen folgen der Finanzkrise.
Also wartet unser Anleger weiter und setzt auf den nächsten Kursrückgang. Und was passiert? Von September bis Mitte 2011 steigen die Aktien. Es werden neue Höchststände erreicht.
Der S&P500 steht nun bei 1380 Punkten. Ganze +72,5% Zuwachs vom Boden in 2009 (1380/800 = +725).
Aber unser Anleger ist auch jetzt noch nicht investiert, denn er hat einen Doomsday Propheten im Fernsehen gehört. Sehr wahrscheinlich auch Marc Faber, denn der hat Anfang 2011 gesagt: „US Aktien werden kurzfristig keine neuen Höchststände erreichen“.
Die Zeit verstreicht weiter. Ca. 1/2 Jahr später kommt es tatsächlich wieder zu Kursrückgängen. Aber bei Weitem nicht zu denen, die unser Anleger mit der Furch aus 2009 noch im Nacken hat. Schließlich waren wir bei 800 Punkten in 2009. Also wird er – vermutlich – auch in 2011 nicht investieren. Und wartet, bis die Kurse weiter fallen. Denn die sind bisher nur bei 1100 Punkten. Also noch immer +37,5% über dem Kurs von 2009 (1100/800 = +37,5 ).
Anfang 2012 kommen dann die erlösenden Worte von Marc Faber. Unser Anleger denkt sich, „endlich, ich habe solange gewartet, jetzt muss doch endlich der Crash kommen“.
Und Marc Faber verkündigt mutig Mitte 2011: „Ich erwarte einen Aktiencrash wie 1987“.
In diesem Jahr sind Aktien weltweit an einem Montag stark gefallen. In den USA um 22,6%, in Großbritannien um 26% in Hongkong sogar um 41%.
Natürlich sind diese Zahlen nun überall präsent. Denn die Medien greifen diese Horrorzahlen gerne auf. Werden wir auch einen Rückgang wie in Hongkong erleben? -41%. Unser Anleger ist bereit und wartet. Auf den Crash. Schließlich sagt ihn Marc Faber selbstbewusst voraus.
Und was passiert im Jahr 2012?
Kein Crash. Keine -22,6%, keine -26%, keine -41%.
Sondern, über die nächsten 3 Jahre eine starke Entwicklung von +55,5% (2100/1350)
Falscher hätten die Prognosen von Marc Faber also nicht sein können.
Unser Anleger, der in 2008 zu -30% verkauft hat (also ca. einem S&P Stand von 1000 Punkten), ist natürlich mit höchster Wahrscheinlichkeit nie wieder in den Markt eingestiegen. Denn, jedes Jahr, in dem die Kurse gestiegen sind, hat er zwei Dinge gedacht:
- Je höher die Kurse steigen, desto stärker wird der Crash ausfallen. Ich investiere auf keinen Fall.
- 2. Und wenn er denn doch investieren wollte, denkt er „Jetzt habe ich schon den ganzen Weg nach oben verpasst“. Der klassiker ist dann der Gedanke: „Ich hätte doch bei 800 kaufen können“. Heute (2015) stehen wir bei 2150 Punkten. Ich warte noch, bis es wieder fällt.
In den Folgejahren ist der S&P 500 weiter gestiegen und im gesamten Zeitraum von 2009 bei 800 Punkten bis 2020 zu 3000 Punkten um +275% (!) gestiegen.
Unser Anleger, der noch immer von der Finanzkrise in 2009 geschockt war und sich von den vielen Medienberichten bestätigt fühlte, dass bald der Crash kommt, hat 10 Jahre nicht nur zusehen müssen, wie die Kurse steigen, sondern er hat zwar anfangs vielleicht, also er bei -30% verkauft hat (und die Kurse in 2009 noch bis -50% gefallen sind), zwar ein paar Prozent gespart, aber den Anstieg um satte +275% hat er verpasst.
Fazit:
Ich hoffe diese etwas bildlich geführte Zeitreise hat sowohl die Emotionen, die ein normaler Anleger nach einer Krise erleben wird, also auch die Fehler die gemacht werden, verdeutlicht.
Das Fallstrick beim Glauben an den Crash und Weltuntergang ist, dass die treibenden Kräfte oftmals von Privatanlegern vergessen werden. Allen voran, der ↗technische Fortschritt und dass steigende Umsätze, steigende Aktienkurse bedeuten.
Hat man diese Zusammenhänge einmal klarer vor Augen, dürfte die Angst (1) in einem Crash nicht so stark ausfallen und (2) der Mut höher sein, nach einem Crash oder in der Aufwärtsphase zuzukaufen.
In ↗ Kurs 1 gehen wir im Detail darauf ein, wie man langfristig sicher investiert und zeigen auch, welche Aktien langfristig steigen und welche fallen.
Ebenfalls sind diese Vertiefungsartikel zu empfehlen:
- ↗ Warum steigen Aktien langfristig (100 Jahre)
- ↗ Warum steigen Aktien kurzfristig (1-10 Jahre)
Im nächsten Artikel zeigen wir ihnen, wie sie, trotz der natürlich vorhanden Sorge um Kursrückgänge, sinnvoll und sicher in Aktien einsteigen können. Wir gehen auch darauf ein, was Warren Buffets Empfehlung für große Einmalbeträge ist.